P. Herbert Douteil CSSp

Diözese Cruzeiro do Sul / Brasilien

Missionsarbeit am Oberlauf des Amazonas

Bauernhof der Hoffnung - Dom Luis Herbst

"Unser" Bauernhof der Hoffnung ist einer von weltweit ca. 100 Höfen, in denen Drogenabhängige wieder eine Perspektive finden und neues Selbstbewusstsein erlangen. Im "Bauernhof der Hoffnung erleben sie Beziehungen, in denen Sie ernst genommen und angenommen werden. All dies sind wichtige menschliche Voraussetzungen, um wieder frei von dem Diktat der Drogen zu werden.

Wie alles begann...

„Mit den Schwachen bin ich schwach geworden“ – dieser Satz der täglich geübten Schriftlesung aus dem 2. Korintherbrief ging Nelson, dem Mitarbeiter des Franziskaners Frei Hans Stapel in Guaratinguetá in der Nähe von São Paulo an einem gewissen Morgen nicht aus dem Sinn, als er auf der Straßenecke dem Pfarrhaus gegenüber wieder einmal einige Drogis sah und den Mut hatte, sich einem von ihnen zu nähern. Dieser junge Mann stellte aus Silberdraht billigen Schmuck her, den er verkaufte, um wieder an Stoff zu kommen.


Wo alles begann...

„Kannst Du mir nicht einmal zeigen, wie man so etwas macht?“ fragte Nelson – der andere schaute erstaunt, weil ihn bis dahin noch niemand um einen solchen Gefallen gebeten hatte, und antwortete: „Natürlich, komm mit“ – die Behausung, die Nelson dann betrat, war mehr als ärmlich. Das Gespräch zunächst auch ziemlich belanglos, bis der andere anmerkte, wie gerne er von der Abhängigkeit an die Drogen los käme, aber nicht wüßte, wie, und damit stünde er nicht allein, auch die anderen an jener Straßenecke hätten denselben Wunsch. „Dann kommt doch einmal ins Pfarrhaus“, antwortete Nelson – und wie erstaunt waren er und Frei Hans, als langsam sich eine immer größere Schar meldete.

Sie sprachen über ihre Probleme, ihren immer wieder gescheiterten Wunsch – nahmen zögernd an den Gottesdiensten teil – aber die Frage blieb für Frei Hans, Nelson und auch die Jugendlichen: „Was mit diesen Menschen anfangen?“, konnte es doch nicht auf die Dauer so bleiben, dass sie tagsüber ziellos und ohne Beschäftigung herumlungerten – und dann geschah es, dass jemand einen alten Bauernhof schenkte. Dorthin ging jene Urzelle der späteren Bauernhöfe der Hoffnung, und sie erlebten, was folgende Fragen bewirken können:

„Ich liebe dich!" - „Ich brauche dich!" - „Du kannst es!"

1. „Ich liebe dich!", 2. „Ich brauche dich!" und 3. „Du kannst es!" – ja, sie erfuhren, dass jemand sie annahm und dadurch eine persönliche Beziehung entstand, dass jemand sie brauchte und dies auch durch sein Verhalten zeigte, und dass jemand Vertrauen in sie hatte und jeden einzelnen auch helfend begleitete. Damit ist das Geheimnis des Erfolgs der jetzt ca. 100 Bauernhöfen der Hoffnung in mehr als zehn Ländern der Welt umschrieben – wenn ich noch hinzufüge, dass dieses Geheimnis im tiefsten basiert auf dem Wort Jesus, dass wir gerade im Ärmsten IHN selbst sehen sollen und IHM begegnen.

So verwandelt sich der Mensch, weil er eine neue Perspektive hat – nach knapp 30 Jahren sieht die Statistik so aus: 90% der Jugendlichen, die das erste Jahr auf einem solchen Bauernhof durchgehalten haben, bleiben von Drogen frei, 70% helfen freiwillig in den Freundeskreisen mit und besuchen Familien und die gerade aus einem Bauernhof Kommen, und 20% treten als Laien oder auch durch Versprechen gebundene Mitglieder in die geistliche Gemeinschaft der Hoffnung ein – bisher sind mehr als 5.000 Jugendliche von ihrer Abhängigkeit frei geworden!

Besuch vom Heiligen Vater...


Der Besuch des Papstes...

Bei einer Generalaudienz in Rom vor sechs Jahren gelang es Frei Hans, kurz mit dem Heiligen Vater zu sprechen und von seinen Jugendlichen – er faßte sich ein Herz und lud den Hl. Vater zu einem Besuch nach Guaratinguetá ein, wenn er zur Synode der Lateinamerikanischen Bischofskonferenzen nach São Paulo käme – der Papst zögerte nicht lange, sondern antwortete mit einem bestimmten „Jawohl“ – und hielt Wort, als er im nächsten Jahr nach Aparecida kam – einen ganzen Tag verbrachte er auf dem Bauernhof, umarmte eine möglichst große Zahl von Jugendlichen, die er dort traf – ließ sich von ihnen berühren – hörte ihnen zu, stand Rede und Antwort und ermutigte sie, wie es nur ein guter Vater tun kann. Bei seinem folgenden Jahresrückblick stand dieser Besuch im Mittelpunkt der Betrachtung, fast wöchentlich läßt er sich jetzt von dem unterrichten, was dort und bei anderen Bauernhöfen der Hoffnung geschieht, und es war ein Herzensanliegen, dass er die Regel der geistlichen „Gemeinschaft der Hoffnung“ im letzten Jahr approbieren und am 10.10.10 einen besonderen Gruß an sie schicken konnte.

Einweihung und Start "unseres" Bauernhofs

Vielleicht war unser Bauernhof in Mâncio Lima der erste, der diesen Gruß auf einem großen Foto erhielt, als er am 12.12.10 – dem Fest der Muttergottes von Guadalupe, der Patronin der Kirche Lateinamerikas – eingeweiht wurde. Zugleich hatten wir die Kapelle und das Wohnhaus errichtet. Die ersten Fischteiche waren angelegt, die Gruppe der Jugendlichen, die auf anderen brasilianischen Bauernhöfen von ihrer Abhängigkeit frei gekommen waren und sich der neuen geistlichen Gemeinschaft angeschlossen hatten, hatte Schulen und Pfarreien besucht, sich vorgestellt, von ihren Lebenserfahrungen berichtet – sie entschieden dann, wer von ihnen die Verantwortung für den Aufbau dieses neuen Bauernhofes übernehmen sollte.

Ende Januar war es so weit, dass der erste Bewerber eintreten konnte. Auch wenn sich bei ihm bewahrheitete, was mir gleich beim ersten Gespräch Frei Hans und Nelson gesagt und Nelson bei der Feier der Einweihung sehr deutlich gemacht hatten: „Erfolg ist kein Wort aus dem Lexikon Gottes – gerade dann, wenn es aussichtslos zu sein scheint und wir immer wieder neu beginnen müssen, werden wir es tun. Denn es ist nicht unser, sondern SEIN Werk“ – mit einem Wort, der erste junge Mann, der aus São Paulo zu uns gekommen war, verließ uns wieder. Doch inzwischen sind andere eingetreten, die Gemeinschaft ist auf dreizehn angewachsen – man könnte scherzhaft sagen: „Jesus und seine zwölf Apostel“.

Die nächsten Schritte...

Inzwischen haben wir das Nachbargrundstück kaufen können, das schon zum größten Teil abgeholzt war. Das aber erlaubt uns, den Urwald des ersten Grundstückes weitestgehend zu erhalten und Pflanzungen der normalen Pflanzen unserer Bauern, der Baumschule, der Fruchtbäume und –sträucher für unsere im Aufbau befindliche Produktion von Fruchtsäften und Konfitüren, die kleine Rinderzucht für die Stillung des unglaublichen Hungers der Jugendlichen im Entzug und weitere Fischteiche anzulegen – dieses zweite Grundstück ist also eine ideale Vervollständigung unseres Geländes.

Im Bau ist jetzt ein größeres Wirtschaftsgebäude für Küche, die kleinen Werkstätten und die Aufbewahrung der Werkzeuge und mit einem etwas größeren Versammlungsraum für die Treffen der Familien, die jetzt nach den ersten drei Monaten ohne Kontakt ihre Angehörigen besuchen dürfen. Auch haben wir die von früheren Drogenabhängigen geleiteten Helferkreise, die diese Familien besuchen und begleiten und die Rückkehr derer vorbereiten, die im nächsten Jahr, hoffentlich vom Laster befreit, wieder nach Haus kommen, das dann verändert sein muß, damit der Kreislauf des ständigen Fallens und Aufstehens sich zu einem festen Stehen wandelt, wo der einst so Schwache auch andere stützen kann und sich die drei oben angedeuteten Fragen positiv beantworten.

Unser Traum: Ein Bauernhof für drogenabhängige Mädchen und Frauen

Im nächsten Jahr hoffen wir, ein Haus für Neueintretende zu errichten, in dem sie zunächst einen Monat bis zum Ablauf der Entzugserscheinungen verbleiben, ehe sie in die neue Familie überwechseln können. Dann planen wir, zwei weitere Wohngebäude für die wachsende Familie zu errichten, die Anlagen von Fischteichen und Pflanzungen zu vollenden. Auf diese Weise hoffen wir insgesamt 50 Jugendliche aufnehmen können.

Der nächste, aufs höchste ersehnte Schritt soll im übernächsten Jahr die Gründung eines neuen Bauernhofes für drogenabhängige Mädchen und Frauen sein – wir wollen uns damit einem wohl nicht nur bei uns unendlich drängenden und bedrückenden Problem mit allen Folgen von Prostitution, Abtreibung, allein erziehenden Frauen stellen – nur ein Traum? Ich hoffe, dass wir Mitte des Jahres beim nächsten Besuch von Frei Hans oder Nelson die Zusage bekommen, dass junge Frauen zu uns kommen, an denen das Wunder geschehen ist, dass ihnen ein neues Leben geschenkt wurde, das sie jetzt wie geistliche Mütter auch in unserer Diözese am Ende der Welt anderen weitergeben dürfen!


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