P. Herbert Douteil CSSp
priesterweihe
Diözese Cruzeiro do Sul / Brasilien

Missionsarbeit am Oberlauf des Amazonas

Rückblick auf das Jahr 2008

Cruzeiro do Sul, den 07.12.2008

Das Datum verrät es: Wir bereiten uns auf das Ende dieses Jahrs 2008 vor, eines Jahres, auf das wir für die große und die kleine, persönliche Welt so viele Hoffnungen gesetzt hatten - wir wissen, dass aus Vergangenheit und Gegenwart die Zukunft organisch erwächst, so dass wir auch im ablaufenden Jahr die Früchte des früher Gesäten ernteten, wie es auch im kommenden sein wird. Immer gilt aber auch: Wir sind in Gottes Hand, und ER ist der Lenker der Welt - ER ist Vater, der uns liebt und uns Seinen Sohn sandte, damit ER uns im Heiligen Geist führe!

Heute will ich voller Dankbarkeit, aber auch im Wissen, dass vieles gewiß hätte besser angegangen werden können, an einige Hauptereignisse des hier erlebten Jahres erinnern.

Anfang des Jahres ging die Zeit meiner großen Seelsorgereisen mit jener im Liberdade und zu einer neuen Kapelle im Rio Ipiuna zu Ende - es blieben die wöchentlichen Seelsorgebesuche in den Gemeinden in Sª Luzia und entlang der Transamazônica. Es war nicht immer leicht - in den Fluß gefallene Lastwagen, zerbrochene Brücken und bei Schlamm und Regen unpassierbare Siedlungswege waren oft hartes Brot. Die Umwelt wurde auch hier immer mehr angegriffen - dicke Rauchschwaden über dem Siedlungsgebiet beweisen, dass die Menschen viel, viel abgeholzt haben, um Lebensraum zu schaffen - aber auf Kosten von was und welcher Zukunft??
[ Bericht über die Seelsorgsreise ]

Rauchschwaden über Santa Luzia
Rauchschwaden über Santa Luzia
unpassierbare Schlammpiste
stecken geblieben im Schlamm

Bei den Seelsorgebesuchen hatte ich oft große Gemeinschaften, deren Kindern auf die Taufe, deren Jugendliche auf die Erstbeichte und -kommunion und auf die Firmung, deren Paare auf die Ehe vorzubereiten sind. Wenn ich die Katecheten nicht gehabt hätte, wäre vieles unmöglich zu leisten gewesen. Und auch dann noch bleibt ein unerledigter Rest - Beispiel sind die sechs Jugendlichen einer einzigen Familie, die noch ungetauft waren und am 27.09.08 drei Sakramente der Taufe, Firmung und Erstkommunion empfingen. Wenn die Katecheten die Unterrichtung nicht fortsetzen, ist die Aussicht auf ein wirklich überzeugtes und persönliches Christenleben mehr als gering!


6 Jugendliche empfingen am selben Tag die drei Grundsakramente: Taufe, Firmung und Erstkommunion
Desobriga am Liberdade
Desobriga am Liberdade

Ein Glück ist es für die Diözese, dass wir am Christ-Königs Fest drei Diakone zu Priestern haben weihen können. Es ist für uns, die Bischöfe und die älteren Priester, unendlich bewegend, wenn diese jungen Männer wie einst auch wir während der Allerheiligenlitanei ausgestreckt vor dem Altar auf dem Boden liegen, wenn wir Priester ihnen nach dem Bischof bei der eigentlichen Weihe auch die Hände aufs Haupt legen dürfen - Übertragung der Weihegnade und -gewalt, die sich bei der ersten heiligen, gemeinsam gefeierten Messe bei der Erhebung der konsekrierten Hostie und des Kelches mit dem Blut Christi zeigt! (Bild oben)
[ Bericht über Priesterweihe ]

Priesterweihe: Diakone auf dem Boden ausgestreckt
Priesterweihe: Diakone auf dem Boden ausgestreckt
Priesterweihe: Handauflegung
Priesterweihe: Handauflegung

Damit die finanziellen Grundlagen der Diözese auch für die Zukunft gesichert sind, habe ich das Wagnis des Baues von 40 Häusern auf mich genommen, von deren Mieteinnahmen die Diözese zukünftig die für den Unterhalt des Klerus und die Verwaltung notwendigen Ausgaben wird bestreiten können. Ein gewisses Anfangskapital hatte ich angespart - der Rest wird jetzt durch den Erlös des Verkaufes von Grundstücken des früheren Bauernhofes des Kleinen Seminars bestritten werden müssen; wer hätte am 7.8. ahnen können, dass die damals begonnenen Häuser jetzt schon fast fertig und vermietbar sind?

Häuser: Luftaufnahme
Häuser: Luftaufnahme
Fertiggestellte Häuser
Fertiggestellte Häuser

Unsere Kinderpastoral hatte am 21.8. einen besonderen Tag, nämlich den Besuch von Doutora Zilda Arns, der Gründerin und Schwester des früheren Kardinals von São Paulo. Ich fotografierte sie, wie sie gerade Sr. Nelda aus Tarauacá umarmt. Sr. Nelda, welche zu den Schwestern Unserer Lieben Frau gehört, ist ein lebendes Wunder: Obwohl schon knapp 80 Jahre alt, wirkt (nein: schuftet) sie von morgens bis abends, weil ihr das körperliche und vor allem auch moralische Elend der Kinder und alten Menschen so sehr zu Herzen geht, dass sie sich selbst vergisst - ähnlich handelt Sr. Inês Bültel, die Franziskanerin, welche die diözesane Kinder- und Altenpastoral leitet - Bischof Mosé fehlte in jenem Augenblick des Fotos zum Glück auch nicht!
[ über die Kinderpastoral ]

Sr. Elda und Dr.a Zilda Arns
Sr. Elda und Dr.a Zilda Arns
Kinderpastoral: Drª Zilda Arns, Sr. Inês und Dom Mosé
Kinderpastoral: Drª Zilda Arns, Sr. Inês und Dom Mosé

Unser Stiftung "Jesuskind von Nazareth" entwickelt sich gut - die absoluten Zahlen der betreuten Kinder sanken von 265 auf 185, weil 80 Kinder schon so weit integriert werden konnten, dass sie den normalen Schulunterricht besuchen können. Allerdings hatten wir in diesem Jahr mit nicht eingeplanten Schwierigkeiten zu kämpfen, denn viele der jungen Mitarbeiterinnen wurden selber Mütter und hatten alle Rechte auf den Mutterschaftsurlaub - und wir zahlten die vom Gesetz vorgeschriebenen Löhne natürlich weiter und versuchten, durch verstärkten Einsatz der anderen die Löcher zu stopfen. Im März werden wir wieder den Besuch von Dr. Lothar Biskup, seiner Frau Monika und der Logopädin Nina Heyd haben, welche ihre Erfahrung und Liebe einbringen, damit den Kindern noch besser geholfen werden kann.
[ über die Stiftung "Jesuskind von Nazareth" ]

Projekt 'Jesuskind von Nazareth': Mitarbeiterin mit einem Kind
Projekt 'Jesuskind von Nazareth': Mitarbeiterin mit einem Kind
Dr. Lothar und Monika Biskup untersuchen ein Kind
Dr. Lothar und Monika Biskup untersuchen ein Kind

Der "Bauernhof der Hoffnung", auf dem drogenabhängigen Jugendliche geholfen werden soll, von ihrem Laster frei zu kommen, ist einstweilen nur erst eine gesäuberte Lichtung im Urwald bei Mâncio Lima in der Nähe der Grenze zu Peru (Bild oben). Allerdings gelang es uns, die Zufahrt dorthin für das ganze Jahr hindurch befahrbar zu machen, so dass wir noch in diesem Jahr mit dem Bau der ersten Wohneinheit werden beginnen und den Zeitplan einhalten können. Dieser sieht die Eröffnung des Bauernhofes für den 1. Mai 2009 vor.

Lichtung für die "Fazenda da Esperança" in Mâncio Lima
Lichtung für die "Fazenda da Esperança" in Mâncio Lima (siehe Bericht unten)
unpassierbare Schlammpiste
unpassierbare Schlammpiste

Für unsere Kongregation wird das nächste Jahr den 300. Jahrestag des Todes unseres Gründers Claude François Poullart des Places (26/02/1679 - 02/10/1709) bringen. Von Rom aus wurden die Mitbrüder gebeten, Vorschläge für ein Plakat zu machen, welches unsere weltweite Tätigkeit symbolisieren könnte - auch ich machte meinen Versuch und fotografierte auf einer Weltkarte eine Zusammenstellung der hier im Museum gesammelten Plaketten und Medaillen unserer Wappen, Gründer und Seligen, welche unsere mehr als 50 Missionsgebiete von Amerika bis zum fernsten Asien darstellen - welch eine reiche Frucht erwuchs doch aus dem so unscheinbaren Samenkorn des ersten Seminars in Paris!

Postervorschlag zum Jahrestag
Vorschlag für Poster zum 300. Todestag des Gründers
Concordantiae caritatis: Weihnachtsbild
Concordantiae caritatis: Weihnachtsbild

In meinem Jahresrückblicks darf ein Weihnachtsbild nicht fehlen - es ist genommen aus der Originalhandschrift der um 1360 entstandenen Predigtsammlung "Concordantiae caritatis" des Abtes Ulrich von Lilienfeld. Ihre kritische Textausgabe hatte ich vor 30 Jahren vor der Abreise zur Missionsarbeit hier in Brasilien noch vorbereitet. Nach meinem Entschluß vor knapp zehn Jahren, diese meine Missionsarbeit hier fortzusetzen, übernahmen zwei Institute der Uni Münster und ihre Leiter mein Material von mehr als 1.800 Seiten, um es mithilfe ihrer wissenschaftlichen Mitarbeiter in eine computergemäße Form zu bringen, damit es dann gedruckt werden kann. Das ist inzwischen geschehen, und nun liegt es beim Verlag, die beste graphische Form zu finden, damit das Wunder dieser Edition in einer wissenschaftlichen Reihe zu einem glücklichen Abschluß und das für die Kenntnis und das Verständnis des Denkens des mittelalterlichen Menschen so wichtige Werk endlich allen Interessierten voll zur Verfügung steht!

Säen wir also auch im kommenden Jahr weiter - und wir werden sehen, dass mit Gottes Hilfe aus jedem Korn der Liebe ein Wunder erblühen wird und dass der Friede die Frucht der Gerechtigkeit ist.

 

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