P. Herbert Douteil CSSp
Transamazonika
Diözese Cruzeiro do Sul / Brasilien

Missionsarbeit am Oberlauf des Amazonas

Einen Blick zurück - einen nach vorne
Cruzeiro do Sul, den 05. Dezember 2007

Blick zurück...

Die Medikamente gegen die Malaria scheinen zu greifen, auch die guten Säfte von Dona Maria tun das Ihre hinzu. So geht es mit der Gesundheit wieder aufwärts. Sogar die Ruhe im Bett kommt nicht zu kurz und damit auch nicht die Möglichkeit, Rück- und Ausschau zu halten.

Bei der Rückschau denke ich natürlich viel an jene Zeit Anfang des Jahres, als ich zur ärztlichen Untersuchung und Behandlung in Deutschland war. Ich bin voller Dankbarkeit Lothar und Monika, die mir so viele Wege geöffnet und mich so uneigennützig begleitet haben. Ich konnte viele Besuche machen - leider längst nicht all jene, die ich machen wollte und vielleicht auch hätte können - es ist immer ein Zuwenig, was uns Menschen möglich ist!

Nach der Rückkehr begannen mit den Besuchen in Santa Luzia und der ersten Desobriga im Liberdade und entlang der Transamazônica die gewöhnliche Arbeit wieder. Die Katecheten hatten gezeigt, dass ihre Ausbildung nicht vergeblich war und Früchte trug. Auf sie kann ich mich ja verlassen, auch dann, wenn meine Gesundheit wieder einmal Eskapaden schlägt. Während des Jahres aber konnte ich fast alle Besuche nach Plan durchführen und brauchte die vielen Gemeinden und ihre Mitglieder nicht zu enttäuschen.

 

Die Projekte konnten ausgebaut und zumal das des "Jesuskindes von Nazareth" zu einem gewissen Abschluß gebracht werden, als es in eine Stiftung überführt wurde, so dass jetzt die Brasilianer gefordert sind, es verantwortlich weiter zu entwickeln. Alle bisherigen Mitarbeiter sind voll eingebunden und mit Begeisterung dabei. - Da ich diese Worte schreibe, findet hier in der Clínica eine Versammlung statt, in der die deutsche Logopädin Nina Heyd und ihre Arbeit noch einmal gewürdigt und die nächsten Aktivitäten geplant werden.

Die DVD über die ersten fünf Jahre des Bestehens des Projektes, das ohne die ständige Begleitung von Lothar Biskup und seiner Frau Monika nicht denkbar wäre, wurde hier mit Begeisterung aufgenommen. Gemeinsam mit Stefan und Nina Heyd konnte ich den Text synchronisieren und die deutsche Fassung erstellen. Sie steht nun allen Interessenten in Deutschland zur Verfügung.

Unser neues Projekt des "Bauernhofes der Hoffnung", welches ich von den Vorstellungen bei den Kongressen von "Kirche in Not" in Augsburg schon vor Jahren kennen lernte und das hier in Brasilien durch den Besuch des Hl. Vaters in der Urzelle der "Fazenda da Esperanša" landesweit bekannt wurde, gedeiht auch: Das Grundstück ist ausgesucht und wird gekauft, wenn die Dokumentation entsprechend in Ordnung ist. Einige junge Männer, die sich für die Betreuung und Begleitung von bisher drogenabhängigen Jugendlichen vorbereiten, warten nur noch auf das Zeichen der Urzelle der vom deutschen Franziskanerpater Hans Stapel ins Leben gerufenen Organisation, um dort eine Schulung mitzumachen, so dass wir dann hier den vielen Jugendlichen, die in die Drogenszene abrutschten, aber nun wieder davon frei kommen wollen, eine notwendige Handreichung geben können.

Als Generalvikar habe ich auch die Verantwortung für die Finanzen der Diözese. Früher erhielten wir relativ viel Hilfe durch Containersendungen aus Deutschland und den USA. Sie sind seit 2000 gestrichen - nun müssen wir versuchen, hier auf eigenen Füßen zu stehen und die Quellen zu erschließen, die unsere sozialen und pastoralen Werke tragen können. Dafür möchte ich das Gelände der kleinen Farm beim früheren Kleinen Seminar in Baugrundstücke verwandeln und verkaufen. Die Vorarbeiten sind mit Hilfe auch von Stefan und dem Katecheten Vitor so weit gediehen, dass wir die letzten bürokratischen Hürden nehmen und gleich nach dem Ende der Regenzeit mit dem Verkauf beginnen können. Ich werde mit dem einkommenden Geld auch ca. 40 Häuser bauen, deren monatlichen Mieten uns helfen werden, die laufenden Unkosten der Verwaltung und Unterhaltung unserer Werke zu gewährleisten.

 

Am Christkönigssonntag hatten wir die Freude der Weihe von drei Neupriestern und drei neuen Diakonen, welche in unserem Großen Seminar ausgebildet worden sind. Ihr Einsatz muß nun koordiniert und begleitet werden. Es ist eine verantwortungsreiche und keineswegs leichte Aufgabe, die auf uns ältere und erfahrene Priester wartet, die wir auch alters- und gesundheitsbedingt ins zweite Glied zurücktreten. Hoffentlich werden diese jungen Brasilianer auch die Seelsorgereisen in den Urwald weiter fortsetzen, welche unsere deutschten Mitbrüder seligen Angedenkens bisher so aufopferungsvoll getragen haben!

 

Da wir aber immer zu wenige sein werden, geht auch meine Radioarbeit weiter. Im Moment schläft sie zwar, weil meine Stimme durch die Malariamedikamente ziemlich mitgenommen wurde. Aber vor Weihnachten gehe ich wieder auf Sendung, und zu Beginn des neuen Jahres gehe ich auch noch einmal auf zwei Abschiedsdesobrigen in die Flüsse Ipixuna und Liberdade. Es wird mir nicht gelingen, die Zahl einhundert voll zu machen, aber viel wird nicht fehlen zu diesem Jubiläum!

Schon gehen auch die Gedanken voraus: Am 20. Oktober nahm ich in Hamburg am "Tag der Weltkirche" teil, welcher von "Kirche in Not" in der dortigen Katholischen Akademie veranstaltet wurde. Dort erhielt ich auch die Einladung zur Teilnahme am nächsten Kongreß, welche die von P. Werenfried van Straaten gegründete Organisation vom 4. bis 6. April wieder in Augsburg durchführen wird. So kann ich hoffen, dass ich viele von Euch auch persönlich wieder sehen und sprechen darf und kann - welche Freude und Hoffnung!
Artikel in der "Neuen Kirchenzeitung": kirchenzeitung_hamburg07.pdf (ca. 2 MB)

Meine persönliche Form der Antwort auf die vielen Anforderungen ist ein Gebet, das der Patron der Weltmission, der heilige Franz Xaver, verfaßte. Auch in Zukunft möchte ich dieses sein Gebet täglich mitnehmen auf den Weg an Gottes Hand hinein ins kommende Jahr und jeden von Euch dazu einladen, es nicht nur mit mir zu beten, sondern auch zu leben suchen:

"Herr, lehre mich die wahre Großmut, Dir dienen, wie Du es verdienst, geben ohne zu zählen, kämpfen, unbekümmert um Verwundung, arbeiten, ohne Ruhe zu suchen, mich aufopfern, ohne einen anderen Lohn zu erwarten als das Bewußtsein, Deinen heiligen Willen erfüllt zu haben."

In herzlicher, dankbarer Verbundenheit am kommenden Weihnachtsfest und auch für jeden Tag des kommenden Jahres, Euer dankbarer

Herbert


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