P. Herbert Douteil CSSp
Bauernhof der Hoffnung
Diözese Cruzeiro do Sul / Brasilien

Missionsarbeit am Oberlauf des Amazonas

Neues aus Cruzeiro do Sul

25.04.2014

Welches mögen die Neuigkeiten sein, die es zu berichten lohnt? Beim Projekt "Jesuskind von Nazareth" hat sich nichts Wesentliches geändert – und das ist eine gute Nachricht, weil wir den Kindern und ihren Familien weiterhin wirksam helfen können. Weniger gut sind die Nachrichten vom Bauernhof der Hoffnung, dem Hilfsprojekt für Drogenabhängige. Denn dort hat die Malaria den Leiter und zwei unserer jungen Leute erwischt. Sie haben inzwischen die Behandlung begonnen – hoffen wir, dass keine langfristigen Schäden zurückbleiben! Was den Verkauf von Fischen angeht, so gingen unsere Hoffnungen nicht ganz in Erfüllung. Denn durch das Hochwasser des Juruá war in der Karwoche das Fischangebot auf dem hiesigen Markt so groß, dass wir nur einen kleinen Teil unserer Produktion haben verkaufen können. Dafür aber haben wir als Entschädigung, dass die Transamazônica zwischen Porto Velho und Rio Branco nach dem Rückgang der Überschwemmung des Rio Madeira endlich für den Verkehr mit Lastern wieder freigegeben wurde und das im letzten Jahr schon bestellte Fischfutter wenige Tage vor dem Verbrauch des letzten Vorrates angeliefert werden konnte und uns wenigstens auf diesem Gebiet kein Schaden entstanden ist!

Fischteichanlage
Fischzuchtanlage im Bauernhof der Hoffnung

In der Karwoche und an Ostern waren die Gottesdienste hier im Allgemeinen gut besucht; ich muss die jungen brasilianischen Mitbrüder loben, die sich sehr eingesetzt und die Gottesdienst sehr würdig gefeiert haben! Ich selbst kann ja höchstens noch im Beichtstuhl etwas mithelfen – und das habe ich zu meiner Freude auch in Guajará tun können.

Sonst waren bei mir die Karwoche und das Fest bis gestern vollgepackt mit Arbeit mit Norival, einem Katecheten, mit dem ich Exegese studiert habe, damit er möglichst bald mit seinem theologischen Fernkurs zu Ende kommt und wir vielleicht dann auch einen guten Priester für den Oberlauf des Juruá bekommen! Wenn ich schon selbst nicht mehr zu den Gemeinden in den Urwald fahren kann, muss ich doch, solange und soweit dies möglich ist, wenigstens für einen guten Vertreter sorgen!

Gestern war insofern ein besonderer Tag, dass ich in einem öffentlichen Akt der neuen Staatlichen Bibliothek hier in Cruzeiro do Sul einige Schätze meines Museums übergeben konnte. Es waren Kopien einer Wandmalerei aus dem Grab von Tuk-anch-Amun (1332-1323 v.Chr.) auf einem echten ägyptischen Papyus, eine verkleinerte Kopie des Steines von Rosete von 196 v.Chr., durch den es 1822 dem französischen Gelehrten Champallion gelungen war, die Hieroglyphen zu entziffern, ein Exemplar der von mir herausgegebenen Kopie der ältesten beneventanischen Exultet-Rolle von 982, ein Exemplar einer Faksimile-Edition der Trés Riches Heures des Duc de Berry von 1420 und vom von mir übersetzten Rationale des Guilherme Durandus eine Druckausgabe aus dem Jahr 1551 – es ist das älteste gedruckte Buch, das sich hier im Norden Brasiliens befindet. Dazu schenkte ich auch die von Maqueson mit einer wunderschönen Einlegearbeit verzierten Buchhülle. Ech denke mir: Was sollen diese Schätze hier „vermodern“, wenn sie in einer öffentlichen Bibliothek wenigstens den Blick auf eine Welt öffnen können, die wesentlich älter, weiter und vielgestaltiger ist, als die Menschen hier ahnen können?

Übergabe der Exultet-Rolle und anderer Schätze meines Museums an die Staatliche Bibliothek
Übergabe der Exultet-Rolle und anderer Schätze meines Museums an die Staatliche Bibliothek

Inzwischen war ich auch bei Dr. Jairo, unserem Augenarzt, der meine Augen untersucht und mir versichert hat, dass ich bis Ende des Jahres mit der Katarakt-Operation warten kann. also haben wir Zeit – wir warten jetzt auf Sr. Ursula, welche am Mittwoch die im brasilianischen Konsulat in Deutschland beglaubigten Dokumente von Lothar mitbringen wird, werden die Dokumente übersetzen lassen und dann versuchen, möglichst bald die Arbeitserlaubnis zu erhalten. Sollte sich dieses alles zu lange hinziehen, dann kann ich immer noch umdisponieren und mit Pfr. Georg Rose, dem früheren Kathedralpfarrer, der sich zur Behandlung seines Krebses in der Heimat befindet, aber sich jetzt so wohl fühlt, dass er uns im Mai besuchen kommt, nach Deutschland reisen – dann wäre die Reise schon Ende Mai, was ich eigentlich nicht möchte, weil die Reise dann in die Zeit der Weltmeisterschaft fallen würde – dann werden hier auf den Flughäfen chaotische Zustände herrschen. Wenn aber alles nach meinem Plan geht und ich mit Lothar (Dr. Biskup besucht als Kinderarzt immer wieder unser Projekt "Jesuskind von Nazareth") reisen kann, dann wäre das in der zweiten Oktoberhälfte.

Übermorgen (27.4.2014) ist ein ganz besonderer Tag - die Heiligsprechung zweier verstorbener Päpste: Wir feiern den Sonntags der Göttlichen Barmherzigkeit und allen Grund, für unseren Glauben dankbar und zuversichtlich zu sein! Denn wann hätte es das jemals gegeben, dass gleich vier Heilige Väter für uns beten: Zwei nun kanonisierte im Himmel und zwei hier auf der Erde – und dazu noch unsere Lieben, die uns vorausgegangen sind - da kann doch eigentlich nichts schief gehen, wenn wir selbst unseren Anteil dazutun!

Für alle, die es noch interessiert, hier noch ein Verweis, was ich zu diesem Jahrhundertereignis bereits auf dieser Website veröffentlicht habe. weiter...

 

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