P. Herbert Douteil CSSp
Der Fluss ist die Lebensader...
Diözese Cruzeiro do Sul / Brasilien

Missionsarbeit am Oberlauf des Amazonas

Seelsorgereise zum Rio Ipixuna
Curzeiro do Sul, 10.12.2005

32 Mal habe ich bisher diese Reise gemacht, immer war es ein eigenes Erlebnis, weil ich ja die allererste Desobriga wiederholte, die ich 1978 mit Bischof Rüth machte und welche mich damals so beeindruckte, dass sie mitbestimmend dafür war, dass ich jetzt hier in der Diözese Cruzeiro do Sul arbeite.

Wie beeindruckend ist doch dieser Fluß mit seinen mehr als 270 Kurven, wo einem vielleicht ein einziges Boot pro Tag entgegenkommt - wo man Häuser bewertet nach 30 Litern Benzin und 30 Kilo Nägel - wo man Mütter von 14 Jahren trifft, welche ihre eigenen Kinder statt Puppen im Arm tragen!

Die Natur ist überreich und üppig, aber auch unendlich bedroht. Mag die Welt auch noch so groß sein - die Gewinngier einiger weniger ist mit ihr nicht zu stillen: Ich hörte von den Plänen der Abholzung - zunächst wird eine schon begonnene Rodung von 10.000 Hektar zu Ende geführt und dort eine Rinderzucht eines Züchters aufgebaut, der bereits in der Gemeinde von Guajará eine Farm von knapp 50 km² besitzt. Im benachbarten Gebiet von mehr als 100 km² sind bereits alle Edelhölzer und Nutzbäume gekennzeichnet, damit man sie heimlich fällen und ihr Holz vermarkten kann. Dass schließlich auch all dies zur Weidefläche wird, ist nur eine Frage der Zeit. Für mich blieb der Auftrag der Bewohner des Ipixuna, diese Pläne der zuständigen Forstbehörde zu melden, damit das Schlimmste vermieden werden kann.

Die Menschen sind ihrem eigenen Schicksal überlassen und werden - wenn überhaupt - von den Politikern nur vor den Wahlen aufgesucht. Haben sie ihre Stimmen den korrupten und vor nichts zurückschreckenden Rattenfängern erst einmal gegeben, werden diese nicht mehr gesehen. Ein Gesundheitswesen ist auf dem Oberlauf des Ipixuna ganz und gar inexistent, lediglich im Gama gibt es einen Gesundheitsposten, wo seit September 230 Malaria-Fälle registriert wurden. Weil es immer wieder zu Rückfällen kam, sind viele andere erst gar nicht wieder zum Gesundheitsposten, sondern gleich nach Guajará oder nach Cruzeiro do Sul ins Hospital gegangen, um sich auszukurieren. In allen Häusern entlang des Flusses gab es Malariakranke, manche hatten schon fünfmal diese Krankheit in den letzten Monaten bekommen! Einige Schulen gibt es zwar entlang des Flusses, aber die Zahl der Fehltage der Lehrer ist größer als die der gegebenen Unterrichtstage.

Zwei Kapellenfeste durfte ich feiern: Eines am 3. Dezember zu Ehren des heiligen Franz Xaver - möge der Patron der Weltmission Erbarmen mit Kapelle und den dortigen Menschen haben: Denn die Kapelle ist eine einzige Ruine und soll jetzt an einem anderen Platz, wo der nahe Bewohner besser auf sie achten wird, als dies am bisherigen geschieht! Von der zweiten Kapelle, welche ich vor knapp zwanzig Jahren habe bauen lassen, verabschiedete ich mich - denn in Zukunft möchte ich, dass der Pfarrer von Guajará dieses Fest hält, da er über Land schnell und leicht diese Gemeinde aufsuchen kann. Ich muß gestehen, dass mir der Abschied nicht sehr schwer fiel, denn in der Nacht vorher musste ich mehrere Male aufstehen und um etwas Ruhe bitten - die "Musik" aus den Lautsprechern war unerträglich laut, das Gerenne und Gelaufe ohne Unterbrechung; kein Wunder, dass mein Herz einige Male nicht mehr richtig schlagen wollte.


Die Beteiligung an den Gottesdiensten war leider nur mittelmäßig. Einige Taufen konnte ich nicht halten, weil z.B. zwei Täuflinge ein zu hohes Alter hatten und in keiner Weise vorbereitet waren. Ich hinterließ einen Katechismus, damit die Taufanwärter sie studierten - ich hoffe, dass ich im nächsten Jahr die Taufen werde feiern können! Es gab auch Diskussionen mit Protestanten über die alten, von ihnen immer wieder aufgewärmten Themen:
Bilderverbot, Samstags- statt Sonntagsheiligung, Heiligenverehrung - aber dass wir in Freundschaft auseinander gingen, belegt die Tatsache, dass ich in ihrem Haus ein Mittagessen angeboten und ein Stück Haut eines schwarzen Kaimans für mein Museum geschenkt bekam.

Das Essen war an allen Stellen überaus gut und reichhaltig - die Leute geben vom Besten, was sie haben und sparen nicht. Es ist auch ihrem Gesicht und ihren Gesten anzusehen, wie froh sie sind, den Padre und seinen Begleiter beköstigen zu können.

Das überaus gute Wetter half sehr bei der Fahrt, der Regen fiel wie bestellt, der Wasserstand war für unser schnelles Canoa und den 6-PS-Motor sehr günstig. José Francisco, der mich als Motorist und Katechet schon auf der letzten Desobriga zum Liberdade begleitet hatte, bewies wiederum sein Geschick auf allen Gebieten - inzwischen sind wir offenbar ein eingespieltes Team geworden, das so schnell nichts aus der Ruhe werfen kann - auch nicht, als uns bei Aurora während des Gottesdienstes ein Teil des für die Rückreise so notwendigen Benzins gestohlen wurde. Wir kamen noch bis zum Gama, wo wir zwei Liter zu einem wirklich sündhaft teuren Preis kaufen konnten, so dass wir ohne weitere Schwierigkeiten bis zu jenem Haus am Unterlauf kamen, wo wir einen Vorrat für die Rückfahrt hinterlassen hatten.

Obwohl die Malaria so stark verbreitet ist, habe ich bisher kein Anzeichen der Krankheit bei mir gemerkt - ob ich nach den beiden früheren so schweren Erkrankungen inzwischen genügend viele Abwehrkräfte entwickelt habe? Auch haben mich dieses Mal die sonst unumgängliche Bronchitis und der schlimme Durchfall verschont; die verbrannte Nase wird sich bald geschält und ihre Haut sich erneuert haben!

Allen, die sich die Mühe gemacht haben, diese aktualisierte Seite der Homepage bis hierher zu lesen, von ganzem Herzen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein glückseliges Neues Jahr 2006, das uns dem Herrn entgegenführen möge!




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