P. Herbert Douteil CSSp
Bauernhof der Hoffnung
Diözese Cruzeiro do Sul / Brasilien

Missionsarbeit am Oberlauf des Amazonas

Neuestes aus dem Westen Brasiliens

Cruzeiro do Sul, 4. November 2014

Ja, von hier gibt es wieder einiges zu erzählen, weil ja auch hier die Zeit nicht stehen bleibt.

Beim Projekt „Jesuskind von Nazareth“ konnten wir die notwendige Generalversammlung halten und den Vorstand bestätigen bzw. vervollständigen. Valderi, der bestätigte Präsident, war inzwischen in Brasília, um dort bei den zuständigen Stellen um die Arbeitserlaubnis für Dr. Lothar Biskup und seine Frau Monika, unseren Hausarzt und seine Gemahlin, nachzusuchen – leider geht das kaum anders als durch einen persönlichen Kontakt!

Auf dieser Reise konnte Valderi auch unseren Pater Peter Bermes begleiten, der zur Behandlung seiner vielen Krankheiten nun in Deutschland weilt – hoffen wir, dass er nach seiner Gesundung bald wieder in seiner Pfarrei Jordão wird arbeiten können!

Soeben war ich auf dem Parkplatz, wo Valdenísio, bisher unser stellvertretende Präsident, mit meinem Toyota stand, der beladen war mit Lebensmitteln, Gemüse, Bananen, drei lebenden Hühnern, die jetzt an die eingetragenen bedürftigen Familien unserer Stiftung ausgeteilt werden. Diese Lebensmittel erhalten wir durch ein Programm der Regierung zur Unterstützung der ärmsten und bedürftigsten Familien. Heute war leider die letzte Ausgabe für dieses Jahr. Ob das Programm im nächsten Jahr weitergeführt wird, müssen wir abwarten.

Lebensmittelausgabe für bedürftige Familien

Lebensmittelausgabe für bedürftige Familien

Am Freitag, dem 31.Oktober, trafen sich zum dritten Mal die Mitglieder unserer Gruppe der Laien­Spiritaner, deren Zahl sich auf fünfzehn erhöht hat. Von den zwölf Gründungsmitgliedern ist allerdings schon einer, Norival, der für die Pastoral in Thaumaturgo am Oberlauf des Juruá zuständig gewesen war, an Krebs gestorben – es war ein sehr dichtes Treffen, in dem alle voller Begeisterung von ihrer pastoralen Arbeit berichteten: Wie ist es doch schön, zu sehen, dass auch Laien, die fast alle von mir in Santa Luzia ausgebildet worden sind, sich auch weiterhin von der Spiritualität unserer Gründer inspirieren lassen!

Auf unserem „Hof der Hoffnung“ bei Mâncio Lima wurden die Zufahrtsstraße rechtzeitig vor der gerade beginnenden Regenzeit wieder in Ordnung gebracht und die Fundamente für den Erweiterungsbau von 10x40 m für vier vorgesehenen Werkstätten zur Fischverarbeitung, für eine kleine Bäckerei, eine Seifensiederei und Holzverarbeitung gelegt, die wir notwendig haben, um uns damit wirtschaftlich so weit wie nur möglich unabhängig zu machen.

Vorgestern, Sonntag, den 02. November, konnten wir mit einer gewissen Verspätung von anderthalb Stunden auch die seit zwei Monaten erwarteten Besucher einer Reisegruppe der in Düsseldorf beheimateten Consul-Weltreisen schon am Flugfeld begrüßen – die Zollpolizei war da großzügig, und die Begrüßung sehr herzlich. Sehr schnell konnten alle in zwei Kleinbusse einsteigen, die uns zum Hoffnungshof brachten. Ich saß in einem von ihnen, Pe. Guilherme Stader im anderen, und wir konnten die Zeit der Fahrt schon nutzen, indem ich von unserer Arbeit als Missionare berichtete und von den vielen Erlebnissen, die ich ihnen leider nicht anders als durch ein paar Fotos aus einem meiner Bücher illustrieren konnte.

Reisegruppe von Consul-Weltreisen landet am Flughafen von Cruzeiro do Sul

Reisegruppe von Consul-Weltreisen landet am Flughafen von Cruzeiro do Sul

Nach einer knappen halben Stunde waren wir am Ziel – wurden herzlichst von den Internen und ihren Betreuern begrüßt, die sich alle kurz vorstellten, worauf dann zwei von ihnen ausführlicher ihre Lebensgeschichte erzählten. Paul Moll, der vor 35 Jahren als spiritanischer Missionar auf Zeit hier begonnen und sein Herz hier verloren hatte, hat alles sehr gut übersetzt – alle waren höchst beeindruckt von diesen persönlichen Schicksalen, die sich jetzt zum Besseren wenden.

Reisegruppe und Vorstellung der jungen Leute auf dem Hoffnungshof

Reisegruppe und Vorstellung der jungen Leute auf dem Hoffnungshof

Einer der früheren Drogenabhängigen erzählt seine Geschichte

Einer der früheren Drogenabhängigen erzählt seine Geschichte

Danach hatte Maqueson das Wort und sprach von seiner unglaublichen Geschichte eines jungen Mannes, der als Analphabet im Innern des Urwaldes aufwächst, der durch die Ausbildung bei deutschen Spiritanern hier im Acre und in Südbrasilien nun zum wohl bekanntesten und besten Künstler der Holzeinlegekunst so weit gekommen ist, dass er sogar als Vertreter Brasiliens einmal auf der Großen Mauer Chinas hat stehen können. Seine Frau Linda und zwei Mitarbeiter zeigten auch einige im Entstehen befindliche Arbeiten und boten auch einige fertige Kunstwerke an – ich glaube, dass der Absatz wegen der so ungewöhnlichen Werke, wie sie sonst nirgendwo in Lateinamerika finden werden, trotz der nicht geringen Preise nicht gering war!

Maqueson bei seinem Vortrag

Maqueson bei seinem Vortrag

P. Douteil bei Ansprache

P. Douteil bei Ansprache

Die Besucher hatten schon im Flugzeug das Mittagessen aus der bordeigenen Küche erhalten, doch schmeckten allen auch einiges Hartgebäck, ein Stück Kuchen, wie wir sie einmal produzieren werden, und ein Saft der Früchte, die wir auf dem Hof kultivieren – sie schauten sich das Wohnhaus und die Kapelle an, warfen einen Blick auf die im Moment leider abgefischten und ausgetrockneten Fischteiche, doch reichte wohl die Fantasie, um sich vorzustellen, wie alles wirkt, wenn dort die Teiche gefüllt und die Fische bei der Fütterung quirlig durcheinander schwimmen.

So waren unsere neu gewonnenen Freunde also geistig und leiblich sehr zufrieden, als wir nach einem knapp zweistündigen Aufenthalt wieder in die Busse stiegen und um genau 15:00 wieder am Flughafen ankamen. Dort wartete schon der Vertreter der Zollbehörde, um vorschriftsgemäß die Pässe für die Ausreise zu stempeln. Dies war wohl das erste Mal, dass eine solche Reisegruppe hier gelandet war – möge es nicht das letzte Mal bleiben, sondern in Erfüllung gehen, was Herr Forsen andeutete: „Bei der nächsten Südamerikareise werden wir Cruzeiro do Sul wieder einplanen!“

Unsere guten Wünsche begleiten diese neuen Freunde, die um genau 16:00 weiterflogen, um die Atacama-Salzwüste in Chile, Arequipa und Cuzco mit seiner Inca-Stadt in Peru, Bogotá und sein Goldmuseum in Kolumbien, George­town in Guyana und zum Abschluss der Reise die kleine, wunderschöne Insel Nevis in der Karibik zu besuchen.

Am vorletzten Sonntag, dem 26. Oktober, wurde auch in einer Stichwahl entschieden, dass unser bis­heriger Gouverneur Tião Viana und auch die bisherige Präsidentin Dilma Rousseff in ihren Ämtern bestätigt wurden. Die Präsidentin hat inzwischen schon eine mehr als 10%-ige Anhebung der Preise für die Treibstoffe verfügt, die Preise für Strom und Gas werden in diesen Tagen folgen. Was bisher künstlich billig gehalten wurde, erweist sich jetzt als sehr teuer, und die Ärmsten werden wieder am meisten zu leiden haben, wenn nun auch die Inflationsschraube sich leider wieder drehen wird.

Zum Schluss noch eine andere, leider sehr schlechte Nachricht: Im Moment haben wir hier in Cruzeiro eine starke Dengue-Epidemie mit mehr als 2.000 aktuell Kranken! Mögen alle Heiligen, wozu wir ja auch die Armen Seelen im Fegfeuer zählen können, deren Gedächtnis wir gestern und vorgestern feiern durften, unserem armen Volk helfen!

 

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