P. Herbert Douteil CSSp
Bauernhof der Hoffnung
Diözese Cruzeiro do Sul / Brasilien

Missionsarbeit am Oberlauf des Amazonas

Der bisher wichtigste Besucher in unserer Diözese
hier am Ende der Welt - und andere Ereignisse

Cruzeiro do Sul, 7. Juni 2014

Gründung einer Gruppe von Laien-Spiritanern

Am 30. Mai, gestern vor einer Woche, war für unsere Kongregation hier in Cruzeiro do Sul ein besonders glücklicher Tag: Wir konnten die örtliche Gruppe der Laienspiritaner gründen! Pünktlich um 14:30 waren zwölf Männer gekommen, die ich seit vielen Jahren als Katecheten oder auch von früher aus dem Seminar her kannte und der Einladung mit Freuden gefolgt waren. Die vorbereiteten, von der Südamerikanischen Spiritanergemeinschaft UCAL übernommenen Statuten wurden angenommen, die Lebensverpflichtung und die Gründungsakte von allen unterzeichnet. Wir werden uns am Freitag, den 22. August wiedertreffen – dem früheren Datum des Festes des Unbefleckten Herzens Marias, dem unsere Kongregation ja ebenfalls geweiht ist.

Besuch von Kardinal Cláudio Hummes

Am Mittwoch, den 4. Juni, kam der wohl seit jeher bedeutendste Besucher unserer Diözese, Kardinal Cláudio Hummes, hier in Cruzeiro an. Der Kardinal war früher einmal Erzbischof von Fortaleza, wurde von dort Nachfolger von Dom Paulo Arnds nach São Paulo versetzt und und zum Kardinal erhoben, dann war er für einige Jahre in Rom der Vorsitzende der Kleruskongregration. Als er die Altersgrenze erreicht hatte, wurde er emeritiert und ist jetzt bei der Brailianischen Bischofskonferenz der Vorsitzende der Kommission für die Kirche im Amazonasgebiet und kam zu einem Kennenlernbesuch. Er ist sehr, sehr freundlich, hat sich auch in die Pflicht nehmen und bei all unseren Radios ausgiebig interviewen lassen. Der Kardinal war gleich am ersten Besuchstag hier im Haus zu Besuch, um das Missionsmuseum zu besuchen. Anhand der Exponate konnte ich ihm ein wenig von der Geschichte unserer Diözese und unseren alten geistlichen, in der Welt unbekannten Kämpfern erzählen, u.a. den Kelch zeigen, den unser guter Pater Nuss benutzt hatte, der 1978 bei einer Seelsorgereise zwei Tage vor Weihnachten im Flüsschen Natal (= Weihnachten) ertrunken war, auch den Kelch, der einmal vom ersten Pfarrer unserer 1917 gegründeten Pfarrei aus Frankreich mitgebracht worden war – wie viel Segen ist doch aus diesen Kelchen hervorgegangen, wie dankbar müsssen wir diesen Mitbrüdern sein, die ihr Leben hier für Gott und die Menschen gelassen haben!

Besuch von Kardinal Cláudio Hummes

von links: P. Douteil, Kardinal Hummes, Bischof Mosé

Gruppe Shalom

Geistliche Gemeinschaft "Gruppe Shalom"

Gemeinschaft SHALOM feiert 15-jähriges Bestehen

Am Donnerstag, den 5. Juni, war auch ich eingeladen, als der Kardinal die hiesige Gruppe der geistlichen Gemeinschaft SHALOM besuchte. Diese kennt er noch von seiner Zeit als Erzbischof von Fortaleza her, als er ihr damals in der Woche vor seiner Ernennung zum Erzbischof von São Paulo die diözesane Anerkennung gewährte, der inzwischen die gesamtkirchliche mit einem riesigen Fest auf dem Petersplatz gefolgt ist. Natürlich kamen alte Erinnerungen hoch, auch von meiner Seite. Denn ich war es ja gewesen, der damals einigen Jugendlichen von hier die Flugkarte nach Fortaleza bezahlt hatte, damit sie dort das Werk kennenlernen und die Kontakte zu uns hier knüpfen konnten. Das war geschehen – und nun konnten wir bereits das 15-jährige Bestehen der hiesigen Gemeinschaft feiern, wohin im Wechsel immer wieder junge Menschen vorzüglich aus dem Nordosten kommen, um hier einen Teil ihrer Ausbildung zu erhalten. Das hat natürlich auch einige Nachteile, auf die ich auch aufmerksam machte, dass diese jungen Leute oft noch keinerlei Erfahrung haben und einfach reproduzieren wollten, was sie in Fortaleza oder anderswo gesehen hatten. Das Gehen zu den gefährdeten Außenbezirken fiel ihnen am Anfang mehr als schwer, jetzt aber haben die Gruppe schon so viele Kontakte knüpfen können, dass Jugendliche von dort schon aus eigenem Antrieb oder durch Mundpropaganda zu den Gebets- und Schulungstreffen der Gruppe kommen. Viele haben einen neuen Lebenssinn gefunden, viele Ehepaare sind wieder zusammengewachsen. Ich habe auch das Glück, dass ich fast jeden Samstag für sie die heilige Messe in ihrem Zentrum feiern kann.

Kardinal besucht Bauernhof der Hoffnung

Gestern waren wir auf dem Bauernhof der Hoffnung. Es ist ein großartiges Erlebnis für die momentan dort lebenden 18 Jugendlichen, die um das Freiwerden von allen möglichen Arten von Drogen kämpfen, einen Kardinal begrüßen zu können! Dabei konnten sich die jungen Leute persönlich vorstellen und ihre wirklich ergreifende Lebensgeschichte kurz erzählen – bei wohl allen war es die Schwäche der Familie, wodurch sie in die Drogen gekommen waren. Wohl alle suchen bewusst oder unbewusst einen bisher fehlenden Vater. Wenn sie ihn auch hier manchmal nicht mehr finden können, weil er irgendwohin verschwunden ist, so doch im Himmel – und da wurde wieder überdeutlich, dass nur im Zusammenspiel von körperlicher und geistiger Arbeit, von der von einer echten brüderlichen Liebe geprägten Freundschaft und der Religion jenes bleibende Ergebnis erhofft und erreicht werden kann, das wohl bei allen Hilfswerken weltweit einzigartig ist. So müssen wir also auch den Franziskanerinnen danken, die die geistliche Begleitung übernommen haben und die wöchentlichen Gebetstreffen durchführen.

Gruppe Shalom

Kardinal Hummes bei seiner Ansprache an die Jugendlichen auf dem Hof

Wir besuchten natürlich die Kapelle, die eigentlich der Hauptraum des Hofes ist, ich tat einen Blick auf die Fischweiher und versuchte ein einigermaßen anschauliches Überblicksfoto, was bei einem solch flachen Gelände ohne Erhebungen mehr als schwierig ist, dann fuhren wir zum ca. 800 m weit entfernten, nun wie das vier Jahre alte Haupthaus wunderbar sauber glänzenden Haus der Aufnahme, das dem heiligen Judas Thaddäus gewidmet ist; hier konnten wir den neuesten Höflern noch einmal die Hand geben und den relativ sehr großen neuen Fischteich und den hervorragend angelegten Gemüsegarten bewundern, auch auf den Schweinestall und –hühnerstall einen Blick werfen – und zum Himmel hinaufschauen, wo sich ein Gewitter zusammenbraute. Zum Glück kam die Regenflug erst herunter, als wir bereits in „Bethania“, dem Erholungszentrum der Pfarrei, zum hervorragend bereiteten Mittagessen mit einem Fisch aus eigener Züchtung versammelt waren. Hier hatten wir hinterher auch die Möglichkeit, vom Kardinal einiges von seiner römischen Erfahrung zu hören und einige Fragen zu stellen, die ich heute in einem recht persönlichen und offenen Gespräch mit ihm vertiefen konnte. Wir sprachen hauptsächlich über die Bischofssynode und das Problem der Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion. Auch wenn wir beide gegensätzliche Standpunkte vertreten mögen, so ist es doch ungeheuer wichtig, dass wir im Gespräch bleiben und die Meinung der anderen Seite kennen und respektieren. Wann ist es aber einem einfachen Missionar einmal möglich, gleichsam auf Augenhöhe mit einem der wichtigsten Kardinäle so offen sprechen zu können?

Fischteichanlage

Fischweiher

Fischteiche auf dem Bauernhof der Hoffnung

Während ich diese Zeilen schreibe, höre ich das Flugzeug über mir hinwegfliegen, in dem der Kardinal sitzt, im Kopf und im Herzen mit seinem guten Eindruck von der Diözese Cruzeiro so Sul. Wir werden versuchen, diesen guten Eindruck durch unsere Arbeit zu bestätigen und zu vertiefen!

Projekt 'Jesuskind von Nazareth' erhält Hiobsbotschaft

Es erreichte uns eine für unser Jesuskind sehr wichtige Hiobsbotschaft: Monika Biskup, Dr. Lothars Frau, muss an einem Aneurhysma am Herzen operiert werden. Deshalb haben die beiden schon ihre für den 26. Juli geplante Goldhochzeit absagen oder zumindest auf einen unbestimmen späteren Termin verschieben müssen. Ich hatte mich schon gefreut, dass ich an diesem Fest hätte teilnehmen können, der ich vor 50 Jahren ihre Hochzeit in Menden hatte feiern können! Ob Lothar später einmal wieder alleine oder sogar mit Monika noch einmal nach hierher wird kommen und unser Jesuskind weiterhin betreuen können, wage ich nicht zu hoffen. Alle Kinder und ihre Familien sind schon zu einer Sturmnovene aufgerufen!

Am 16. Juni werde ich über Manaus und Miami nach Düsseldorf reisen, dann die Arztbesuche beginnen – beten wir, dass alles nach dem Plan Gottes, den alles anvertraut sei!!

 

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