Missionsarbeit Entwicklungshilfe Brasilien Acre

P. Herbert Douteil CSSp

Diözese Cruzeiro do Sul / Brasilien

Missionsarbeit am Oberlauf des Amazonas

Seelsorgereise durch den Liberdade
Cruzeiro do Sul, den 08.09.2004 – Fest der Geburt Mariens


Volles Kanu: Das normale Transportmittel im Riozinho.
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In der einen Region begegnet man Wahlpropaganda und misst diese an den tatsächlichen Gegebenheiten und den Bedürfnissen der Menschen. Während die andere Region politisch vernachlässigt wird. Nein, ich bin nicht zurück aus Deutschland, sondern stehe noch unter den Eindrücken meiner Seelsorgsreise an den Unter- und Oberlauf des Liberdade...

Es waren anstrengende, aber auch sehr gefüllte Tag, bei denen ich knapp 30 Stunden auf dem Vordersitz des Kanu sitzend, die tropischen Temperaturen ertragen und gemeinsam mit meinem Katecheten und Motoristen França die Schönheiten der Urwaldlandschaft erleben durfte. Der Motor arbeitete ausgezeichnet im nicht fehlenden Flußwasser, das Wetter war gut, lediglich in den Forquilha konnte ich nicht fahren, weil dieses Nebenflüsschen viel zu wenig Wasser hatte. Nachdem zwei Schiffsschrauben gebrochen waren und wir keinen Ersatz mehr hatten, mussten wir umkehren. Der häufige Regen fiel fast immer nachts oder dann, wenn wir in einem Haus bereits Zuflucht gefunden hatten. Insgesamt habe ich in den beiden Wochen der Reise 26 Gottesdienste gefeiert und dabei knapp 1.600 Menschen getroffen. Meine Aufzeichnungen zählen 500 Beichten und 580 Kommunionen. Insgesamt habe ich 26 Kinder getauft und vier Ehen schließen können.


Volle Schule beim Gottesdienst.
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Die Lage der Menschen hat sich seit meinem letzten Besuch vor vier Monaten nicht wesentlich gebessert. Der Preis der Farinha, des Hauptproduktes des aus der Manjok-Wurzel hergestellten Mehls, ist wegen des momentanen Überangebotes allerdings gefallen, so dass die Klagen über die daraus erwachsenen wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht abreißen wollten. Auf der Wunschliste ganz oben stand wieder eine bessere Gesundheitsversorgung, die im Moment praktisch inexistent ist. An Versprechungen der Politiker fehlt es nicht auf dem Unterlauf des Liberdade. Dort sah ich vor praktisch jedem Haus ein weithin strahlendes Wahlplakat. Wenn aber die Projekte des angepriesenen Kandidaten so ausgereift sind wie jenes der Schaffung eines Stausees zur Gewinnung von Strom an einem in der Trockenzeit praktisch ausgetrockneten Flüsschen, dann wäre es besser, ihm nicht den Schlüssel zur Kasse für die Verwaltung des Landkreises anzuvertrauen!


Hütten mit der politischen Wahlprogapanda.
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Für den Oberlauf des Liberdade gab es keine solche Plakate. Leider ist es so, dass die Menschen dort wirklich nicht wissen, an wen sie sich zu wenden haben. Der Verkehr ist leichter nach Cruzeiro do Sul – doch gehört jenes Gebiet verwaltungsmäßig nach Tauaracá, das etwa 150 km entfernt ist und lediglich über die nur in den wenigen Trockenmonaten befahrbare Transamazônica zu erreichen ist. Dass sich die Politiker diesen "Schwarzen Peter" einer kaum zu leistenden wirklichen Entwicklung des Gebietes gegenseitig immer wieder zuschieben wollen, ist verständlich, hilft aber den Menschen nicht.
Da sie sich selbst überlassen sind und auch die Umweltbehörde kaum Kraft hat, einzugreifen, kommt es weiterhin zu größeren Abholzungen und Zerstörungen der Umwelt, die wohl nicht mehr rückgängig zu machen sein werden.


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