Altes... Neues... Neuestes... Vergangenheit, Gegenwart und spiritanische Zukunft..."
Liebe Leser! Uns allen ist es bekannt, dass wir zwar in der Gegenwart leben, dass diese aber aus der Vergangenheit kommt und wir auf diesen Fundamenten die Zukunft gestalten. Was also ist in der Vergangenheit, was in der Gegenwart, was in der voraussichtlichen Zukunft am Bemerkenswertesten?
Das hängt vom Blickwinkel ab – hier sei versucht, jenes nur zu erwähnen, das für alle von Interesse ist – da steht wohl an erster Stelle die Entwicklung der Berufungen: Von den fünfen Seminaristen, die hier im letzten Jahr das Propädeutikum abgeschlossen hatten und nach São Paulo gegangen sind, hat leider nur einer das Vestibular bestanden, zwei andere bereiten sich jetzt auf den nächsten Anlauf vor – die beiden anderen haben einen eigenen Weg eingeschlagen. Inzwischen hat unter der Leitung von Bruder Luíz und der Mithilfe unseres Laienmitarbeiters Paulo Fernandes ein neuer Kurs mit vier Jungen begonnen. Sie begleiten im früheren Kleinen Seminar den Kurs, der dort für die Anwärter auf den Eintritt in das Seminar des Bischofs von unseren Mitbrüdern und von einigen Schwestern gegeben wird. Es bleibt kaum freie Zeit, nicht einmal für das für Brasilianer so wichtige Fußballspiel – es ist immer ein ernsthaftes Beginnen auf Hoffnung hin!
In der Stiftung "Jesuskind von Nazareth" gibt es eine Veränderung, weil der amtierende Präsident Valderi ein staatliches Stipendium zur Weiterbildung in Erziehungswissenschaften bekommen hat. Seine Frau, die bisher Sekretärin war, wird ihn nach Kräften ersetzen, auch Stefan Hanisch, der Neffe von P. Douteil, wird in der Stiftung nun noch mehr tätig werden. Er hat einen leider behinderten Sohn und darum nicht nur die Erfahrung, sondern auch die Liebe zu solchen Kindern – es sind immerhin mehr als 210 in vier Landkreisen!
P. Douteil als Ehrenpräsident hat noch eine Aufgabe der Begleitung und Oberaufsicht, also nicht nur der Repräsentation nach außen!
P. Douteil ist auch Präsident der Stiftung des „Bauernhofes der Hoffnung“. Am 12. Dezember wurde dieser in Mâncio Lima feierlich eingeweiht – inzwischen sind die ersten Drogenabhängigen eingetreten – leider hat auch hier den ersten der Mut verlassen, und der junge Mann ist wieder ausgetreten.
Eine Gruppe von Freiwilligen hat sich in der Diözese zu einer Hilfsgemeinschaft zusammengeschlossen. Sie begleiten die Familien der Jugendlichen während des und nach dem Aufenthalt im Bauernhof und bemühen sich auch um finanzielle Hilfen. Der Ausbau des Bauernhofes geht zügig mit der Erstellung von vier Zuchtteichen für Fische weiter, so dass wir schon davon träumen, ohne finanzielle Hilfen von draußen uns auch langfristig erhalten zu können. Wenn es uns gelingt, ein angrenzendes Grundstück zu erwerben, dann können wir mit dem Anpflanzen von Fruchtbäumen und –sträuchern beginnen, die zu Säften und Konfitüren verarbeitet und das Angebot der auf dem Bauernhof erzeugten Produkte wesentlich erweitern können.
Die Versetzungen der Mitbrüder sind inzwischen durchgeführt: Die beiden Afrikaner Pe. Inácio und Pe. Aureliano haben hier in Cruzeiro do Sul die Pfarrei Aparecida übernommen, in Tarauacá haben wir ein internationales Team: Pe. Sebastião als Brasilianer, Pe. Silvestre als Afrikaner, Pe. Fernando als Spanier. Pe. Fernando soll die Seelsorge im Landkreis von Jordão am Oberlauf des Rio Tarauacá übernehmen – die wegen der Entfernungen und der geistlichen und materiellen Armut der Bevölkerung wohl schwierigste Aufgabe, die ein Mitbruder überhaupt übernehmen kann. Nicht sehr viel besser sind die Bedingungen, die Pe. Joachim Seifert in Thaumaturgo am Oberlauf des Juruá antrifft, wohin er seit einem knappen Monat aufgebrochen ist – alles ist noch zu tun, ein Glück, dass unser Mitbruder es gewohnt ist, in der Hängematte zu schlafen – und die kann er auch in einem Nebenraum der Kapelle aufhängen! Pe. Pedro Bermes ist nicht nur als Seelsorger in Porto Valter in die Fußstapfen von Bischof Rüth und Herbst getreten, sondern behandelt auch weiter auf seine Art die Kranken – der Glaube versetzt auch hier manchen Berg der Krankheit!
Der Bischof hat P. Douteil wieder für zwei weitere Jahre zum Generalvikar ernannt. Ihm, P. Schader und – in Abwesenheit auch P. Siegers - wurde von der Gemeinschaft der Stadtverordneten der Titel des Ehrenbürgers verliehen – alle, welche den Einsatz dieser Mitbrüder kennen, werden bestätigen, dass sie diese Ehre wirklich verdient haben! – P. Siegers wird in diesem Monat die Urkunde in Empfang nehmen können, wenn er zu Ferien kommt. Es wird keine reine Erholung, sondern mit viel Gesprächen und Versammlungen verbunden sein. Denn hängt es doch auch von seinem Einsatz in Deutschland ab, ob hier fünf von ihm gegründete und bisher auch mit seiner Hilfe unterhaltene Kindertagesstätten mit fast achthundert betreuten Kindern weiterhin erhalten bleiben können.
Vom 22. – 29. März findet hier zum erstenmal die Versammlung der Höheren Obern der Spiritaner in Brasilien, UCAL genannt, statt. Für die spiritanische Provinz ist es Pe. Adalberto Ferezini, für den Südöstlichen Distrikt Pe. Hugo de Blacam, für die Gruppe in Paraguay Pe. Pierre Jubenville und für jene Boliviens Pe. Leonardo da Silva Costa, der übrigens hier aus Cruzeiro do Sul stammt, und schließlich unserer eigener Oberer, Pe. Orlando Zanovelli; an der Versammlung werden auch Pe. Maurice Shortall, der Generalsekretär der UCAL und gleichzeitig Oberer des Südöstlichen Distriktes, und Pe. Eduardo Mirando Ferreira, der für Lateinamerika verantwortliche Vertreter im Generalrat, teilnehmen – wir werden jenen Mitbrüdern, die noch nie hier waren, zeigen können, was hier aufgebaut wurde, können auch mit überlegen, wie es weiter gehen wird: Das Hauptproblem scheint nicht einmal ein finanzielles, sondern die Überalterung der Mitbrüder, die zu geringe Zahl der Berufungen und die viel zu schwache Personaldecke bei den Ausbildern zu sein – abgesehen von den riesigen Entfernungen, unseres südamerikanischen Kontinentes.

von links: Pe. Hugo de Blacam, Distrikt Südost; Pe. Orlando Zanovelli, Alto Juruá; Pe. Maurice Shortall, Südöstlicher Distrikt und Generalsekretär der UCAL; Pe. Eduardo Mirando Ferreira, Generalassistent; Pe. Pierre Jubenville, Gruppe in Paraguay; Pe. Leonardo da Silva Costa, Bolivien; Pe. Adalberto Ferezini, Spiritanerprovinz Brasiliens
Bischof Ludwig Herbst geht es entsprechend seiner 85 Lebensjahre relativ gut, ebenso P. Schader, Bruder Albert ist unentwegt tätig. - P. Douteil ist im Moment mehr als genügend mit Arbeit eingedeckt; denn am 1. Mai darf er in Knechtsteden gemeinsam mit zwei Mitbrüdern sein Goldenes Priesterjubiläum begehen, muß aber für diesen Aufenthalt in der Heimat noch hart arbeiten, weil er seine täglichen Radioprogramme - insgesamt sind es in zwei Monaten volle 60 Sendestunden! - aufzeichnen und die Katecheten für die Vertretung während seiner zweimonatigen Abwesenheit richtig vorbereiten muß.
Und noch eine aktuelle Meldung: Vor fünf Tagen, d.h. am Rosenmontag (der hier kein staatlicher Feiertag ist – wohl der Dienstag!) wurde die neue 555 m lange und angeblich erdbebensichere Brücke über den Juruá geschlossen, so dass der Weg nach Sª Luzia und zurück um ca. 75 km kürzer wird, wenn die Straße gegen Ende Mai offiziell frei gegeben wird – jeder kann sich vorstellen, wie sehr sich P. Douteil darüber freut, dass er leichter und schneller in die von ihm betreuten 25 Kapellengemeinden kommt!