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Einsatz als Logopädin im Projekt 'Menino Jesus de Nazaré'
09.11.2011
Vorbereitungen auf dem Weg ins Projekt
Im Sommer 2010, mitten in der Vorbereitung zu den Abschlussprüfungen, entdeckte ich die Homepage von Pater Herbert mit einem Bericht der Logopädin Nina Heyd. Ich las ihren Bericht mit grossem Interesse und der Wunsch selbst im Ausland als Logopädin zu wirken und benachteiligte Menschen zu unterstützen, wurde in mir geweckt. Damit ich mir ein genaueres Bild vom Projekt machen konnte, reiste ich im Februar 2011 nach München, um Christian Steiger zu treffen. Er erzählte mir von den eindrücklichen Erfahrungen, die er bei seinem ersten Besuch in Cruzeiro do Sul gesammelt hat. Als klar war, dass ich die Chance hatte am Projekt teilzunehmen, habe ich mich für den Portugiesisch-Kurs angemeldet. Es war mein Ziel, mit den Familien und Mitarbeitern der Stiftung kommunizieren zu können. Nachdem ich mir Grundkenntnisse der Sprache angeeignet hatte, reiste ich im September nach Brasilien. Zuerst vertiefte ich meine Sprachkenntnisse in Salvador de Bahia und lernte die brasilianische Kultur und Lebensweise kennen. Dann flog ich mit dem Flieger quer durch Brasilien nach Cruzeiro do Sul und war sehr gespannt darauf zu sehen, was mich da erwartet.
Arbeit im Projekt
In der ersten Woche fuhr ich mit Valdenisio Martins und der jeweils zuständigen Orientadora in Cruzeiro do Sul von Hütte zu Hütte. Wir besuchten die Kinder zu Hause bei ihren Familien und so lernte ich die Arbeitsweise der Orientadoras kennen. In den ersten Tagen konnte ich auf diese Weise sehr viele Eindrücke sammeln. Manchmal fragten die Orientadoras bei den gemeinsamen Besuchen nach weiteren Therapiemöglichkeiten. Ich versuchte jeweils spontan eine Methode zu vermitteln oder machte mir Notizen, um das Thema zu einem späteren Zeitpunkt nochmals anzusprechen. Von der ersten Stunde an war ich begeistert davon, wie die Orientadoras mit den Kindern arbeiten. Ich finde es genial, dass sie die Kinder in der familiären Umgebung therapeutisch versorgen. Gerade diese Art der Therapie ist von unschätzbarem Wert, weil so der Austausch mit der Familie gegeben ist und auch Familienangehörige lernen, wie sie ihr Kind im Alltag unterstützen können.
In der zweiten Woche kamen Lothar Biskup, Monika Biskup und Christian Steiger in Cruzeiro do Sul an. Gemeisam führten wir die Hausbesuche fort. Wir trafen viele Kinder, welche durch eine Cerebralparese stark in der willkürlichen Bewegungskoordination eingeschränkt waren. Vielfach war auch die orofaziale Muskulatur davon betroffen, was bedeutet, dass Kau- sowie Sprechbewegungen nur erschwert oder teilweise fast unmöglich waren. Bei vielen Kindern war auch das Problem eines fehlenden Mundschlusses festzustellen. Dies zählte aus logopädischer Sicht zu den am häufigsten beobachteten Störungen. Mit einfachen Therapiematerialien zur Stärkung der orofazialen Muskulatur wurden die Orientadoras angeleitet, Übungen mit den Kindern durchzuführen. Bei komplexeren Störungen war es manchmal auch möglich eine Therapieeinheit zu demonstrieren. An dieser Stelle möchte ich einen herzlichen Dank an meinen Kollegen Christian Steiger aussprechen. Ich habe die Zusammenarbeit sehr geschätzt und konnte von seinem grossen Erfahrungsschatz und Fachwissen Vieles lernen.
Bei unseren Hausbesuchen begleitete uns auch Eli, die Physiotherapeutin der Stiftung. Sie zeigt den Orientadoras weitere physiotherapeutische Übungen und supervidiert ihre Arbeitsweise. Da sie alle Kinder kennt, kann sie die Orientadoras im weiteren Verlauf der Therapie beraten und leistet so eine unverzichtbare Arbeit. Die Orientadoras treffen sich auch in regelmässigen Abständen und können so gegenseitig Therapiematerial oder –ideen und Beobachtungen austauschen. Dadurch können sie voneinander profitieren und lernen, was den Kindern zu Gute kommt und weitere Fortschritte bewirkt.
In der letzten Woche organisierten Christian und ich eine Weiterbildung für die Orientadoras. Anhand von verschiedenen Fallbeispielen wurden bereits bekannte Therapieformen wiederholt sowie auch neue Therapievorschläge und –methoden anhand von Videos vermittelt.
Während unserer Mitarbeit im Projekt besuchten wir zahlreiche Familien. Bei jedem Besuch durften wir in eine neue Welt eintauchen und bei jedem Besuch konnte ich neue Eindrücke sammeln. Die Kinder wachsen oft unter erschwerten Bedingungen auf und die Betreuung durch die Orientadoras ist sehr wichtig für ihre Entwicklung. Oft ist es die einzige Therapie, die sie erhalten. Ebenso ist auch die Mitarbeit von Ärzten und Therapeuten für das Wohl der Kinder der Stiftung "Jesuskind" tragend. Ich hoffe, dass die Stiftung weiterhin auf die Mitarbeit verschiedener Fachpersonen zählen darf und die Orientadoras noch lange viele Kinderaugen zum Leuchten bringen und Licht in die Häuser tragen können.
Einen ganz herzlichen Dank an Pater Herbert und das ganze Team der Stiftung Menino Jesus de Nazaré für die Gastfreundschaft, den unermüdlichen Einsatz und die tolle Zusammenarbeit.
Jasmin Bitschnau
Dipl. Logopädin
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