Cruzeiro do Sul, den 15.08.2011
Es war eine sehr reiche, gefüllte Woche, welche gestern zu Ende ging – obwohl gestern doch Montag war? Nun, manchmal zählt die Zeit halt anders und hält sich nicht an unser Schema, und ich muß mich auch ein wenig verbessern, weil ich eigentlich von neun Tagen sprechen müßte! Denn gestern endete das Novenarium unserer Kathedrale! Es stellt immer einen Höhepunkt des kirchlichen Lebens dar – die Geschäftswelt schließt sich nicht aus, wie wir es ja auch von den Kirmessen daheim kennen. Bei uns Christen gibt es ja immer dieses „sowohl als auch“ – neben der Kirche stand immer schon das Wirtshaus, und Karneval kam immer vor der Fastenzeit!

Kathedrale von Cruzeiro do Sul
In diesem Jahr hielt sich auch die Kirche an das Motto der Fastenaktion, dass wir uns mehr um die Erhaltung der Umwelt kümmern müssen. – So gab es nicht mehr jene Einwegbaracken aus Hölzern und Palmblättern des Urwaldes, sondern man stellte neue, schmucke Zelte aus Metallstäben und Segeltuchbedeckung auf, die leicht zu montieren und zu lagern sind.
Während der Woche fanden abends die Messen oder auch die Andachten statt, alle mit Predigten zu bestimmten Themen – vor- und hinterher gab es Gelegenheit zur Beichte. Die Kathedrale war gewöhnlich sehr gut besucht, vor ihr hatte der Pfarrer eine Reihe von Bänken aufstellen lassen, so dass es an Sitzplätzen nicht fehlte.
Die Geschäfte machten in diesem Jahr keinen großen Reingewinn, weil durch die nun fast ständig geöffnete Transamazônica der Nachschub von Billigwaren aus den Fabriken Südbrasiliens leichter fällt und auch das Angebot seit Monaten schon reicher wurde. Es machte sich auch bemerkbar, dass die Brücke schon wenigstens einspurig befahrbar und auch die Verkürzung der Anfahrt durch die Verbindung zur Transamazônica durchgehend geöffnet war. Die Erhöhung der Straße wird weiter gehen, der Lehm, der von dieser Flußseite auf die andere gebracht wird, wird kompaktiert. Leider ist es noch nicht möglich, dass auch der Asphalt aufgebracht wird, weil der Juruá durch den seit langem ausbleibenden Regen sehr flach geworden und die Schifffahrt sehr behindert ist. Schubschiffe kommen von Manaus nicht mehr durch!

Die neue Brücke über den Juruá.
Am Sonntag war die feierliche Übergabe der Brücke. Dazu waren aus Brasília der Minister für Transport und Verkehr gekommen, aus Rio Branco der Gouverneur und sein Stellvertreter, zahlreiche höhere und niedrigere Politiker. Sie blieben nur zum Teil für den Abschluß des Novenariums am gestrigen Feiertag: Um 17:00 war die vom Bischof zelebrierte feierliche Schlußmesse, anschließend zog die Lichterprozession durch einen Teil der Stadt über den „Hügel der Herrlichkeit“, auf dem einmal die frühere Kathedrale gestanden hatte, welche „Maria von der Herrlichkeit“ (für Europäer leichter: „Himmelfahrtskathedrale“) geweiht war und wo die hohen Straßenränder gestern mit vielen Kerzen erleuchtet waren, zur Kathedrale zurück.

Lichterprozession zum Abschluß des Novenarium.
Wie viele an dieser Prozession teilnahmen, ist schwer zu sagen – vielleicht zwanzig- oder sogar dreißigtausend, wie die Presse vermutet? Viele trugen brennende Kerzen, auf dem ganzen Weg wurde der Rosenkranz gebetet und gesungen – es war ein erhebendes Bild, das sich leider nur schwer fotografieren läßt, weil die Kerzenträger ja ständig in Bewegung waren! Den Abschluß der eigentlichen religiösen Feier bildeten die Schlußworte und der Schlußsegen des Bischofs – es folgte ein beeindruckendes Feuerwerk, anschließend eine religiöse Show mit einer sehr lauten Rockmusik – unterbrochen allerdings durch einige Pausen der Stille, in denen meditative Texte gesprochen wurden.
Das Leben geht weiter – ich meinem 76. Geburtstag entgegen; wie gut, dass der Herrgott den Plan für das nächste Lebensjahr bereits gemacht hat – ich bin bereit, ihn voll und ganz anzunehmen!